Donnerstag, 6. August 2009

Busfahrt...Krakau

Das Ehepaar in der Sitzreihe vor unsunterhaelt sich schon wieder auf polnisch.

Ich kann zwar kein Polnisch aber ich reime mir die Unterhaltung wie folgt zusammen:


"Zbyszek, hinter uns sitzen zwei junge Maenner die sich auf deutsch unterhalten."

"Agnieszka, das habe ich auch schon gemerkt. Ich weiss auch schon was ich dagegen tue"

"Mein lieber Zbyszek,woran hast du dabei gedacht?"

"Ganz einfach, Agnieszka, wenn die beiden schlafen wollen, dann stelle ich den Sitz mit einem grossen Ruck nach hinten sodass ihnen die Lehne in die Knie rammt. Dann tue ich so,alsob ich schlafen wuerde und nach jeder Rast wechseln wir die Plaetze und spielen dem Anderen den selben Streich."

"Das, mein lieber Zbyszek, ist ein guter Plan..."


So habe ich mir die Unterhaltung jedenfalls im nachhinein zusammengereimt.

Die Fahrt war dann, wie man sich vorstellen kann, ohne viel Schlaf.


Bei einer Busfahrt, die um 19:45 Uhr beginnt und um 7 Uhr endet (plus minus ein paar Stunden) schlaucht das sehr.


Muede und abgeschlagen landeten wir irgendwann in Gleiwitz, wo wir eigentlich umsteigen sollten, aber leider war niemand in der Lage uns zu sagen, ob und wie und wann und überhaupt umgestiegen wird. Der Busbahnhof sah auch verdächtig leer aus, sodass einige Mitreisende misstrauisch wurden und die Busfahrer darauf hinwiesen.
Nach kurzer Beratung stellten diese dann fest, dass wir tatsächlich auf dem falschen Busbahnhof gelandet waren.

Einen halben Kilometer weiter trafen wir auf einen Busbahnhof, der tatsächlich mit wartenden Bussen gut bestückt war, die in alle Richtungen Polens gingen.

"Agnieszka" und "Zbyszek" sahen uns noch aus dem Bus nach, als wir gehetzt von Busfahrer zu Busfahrer sprangen um den richtigen Bus für uns zu finden.


Endlich in Krakau angekommen ging es erst einmal ins Hostel, wo wir unser Gepäck verstauten um uns sogleich auf Krakau-Entdeckungstour zu begeben.

Drei Worte: Krakau ist schön (zumindest die Innenstadt) und von den Stufen ein jeder Kirche sind mindestens zwei weitere Gotteshäuser in Sicht- und Rufweite.

Im Schatten der vielen Kirchen (meist katholisch- versteht sich) gedeiht eine blühende Kneipenlandschaft.
Am Rande von Kazimierz, dem ehemaligen und heutigen Judenviertel Krakaus, findet man die Bar "absynt", die in einem Ambiente, das den Eindruck vermittelt, gleich könnte ein Mitglied der alten Krakauer Boheme hineinspazieren, feinen Absinth serviert.

Wer sich traut, kann sich auch durchaus gegen Nachmittag ein Gläschen davon leisten. Krakau ist danach auf jeden Fall ein ganzes Stück bunter.

Die Bar "Propaganda", gleich um die Ecke (es ist immer noch Nachmittag und über 30 Grad heiß) bietet für alle Nostalgiker ein Sammelsurium an Memoralia aus den "guten alten Zeiten" des real existierenden Sozialismus und ein kühles Bier zu real kapitalistisch überhöhten Preisen.


Einen Straßenzug weiter lässt sich das "Alchemia" das, um den Krakauer Stil zu halten mit einer Vielzahl zusammengewürfelter Möbelstücke eingerichtet ist, die aber dennoch alle ins Gesamtbild passen. Schnell fallen einem die Kronleuchter und Kerzenständer auf. Die Musik ist gut und ein Bier mit 5 PLN gar nicht mal über dem Durchschnitt.


Empfehlenswert in Krakau ist auch ein Besuch des weltbekannten Wawel bei Nacht, wenn die Feste schön beleuchtet wird.
Vielleicht kann man um diese Uhrzeit auch ein paar Feuerkünstler auf dem alten Markt bei ihren Kunstückchen bestaunen.


Gut in Krakau:
-Verkehrsmittel (günstig und 24/7 unterwegs)
-eine echte Krakauer in Krakau zu essen
-ein Glas Absinth am Nachmittag nach harter Stadtbesichtigung bei über 30°C
-Wawel bei Nacht

Schlecht in Krakau
-keine Ahnung zu haben wie man "Ich hätte gerne die roten L&M Zigaretten" auf polnisch sagt.
-dass die Einwohner Krakaus scheinbar selber nicht wissen wo irgendetwas ist.
-Teilweise überhöhte Preise


Eine einfache Fahrt im Bus kostet 2,50 PLN
Der durchschnittliche Preis von Bier in einer Bar 5-6 PLN (im Laden 2,50 PLN)

Im nächsten Post: Zakopane und der Bergsee der Stille....nicht

Freitag, 31. Juli 2009

Und Snoopy hat den Basti nicht gebissen...

Am Anfang stand das Nass.
Früh am Morgen und ohne eigentlichen Schlaf brachen wir in strömenden Regen von der Kidlerstraße gen Bahnhof auf...und zwar zu Fuß, was uns nasses Gepäck bescherte. Am BHF angekommen sahen wir auf Gleis 21 einen weiß-roten, sehr aerodynamisch geschnittenen Zug stehen...das sollte also das Vehikel sein, das uns bis nach Frankfurt am Main bringen sollte. Die Reise wäre auch komfortabler gewesen, wenn die Konstrukteure des ICEs an größere Gepäckablagen gedacht hätten, so musste einer von uns sein nasses Gepäckstück zwischen seinen Beinen halten. Aber das hat uns die Laune nicht vermiest, denn an der münchner Stadtgrenze ließen wir sowohl unsere Unisorgen als auch das schlechte Wetter zurück. Nach dreistündiger Fahrt sahen wir allmählich die Skyline Frankfurts. Kurz nach ihrem Erscheinen kam auch die zweisprachige Durchsage des Zugchefs sein charmantes "Ssänk ju for träwelling wis Deutsche Bahn, gutt baj" hat uns frohen Gemütes und mit großer Lust auf 1-2 Zigaretten schnell zum Gleis 12 des Frankfurter Hauptbahnhofs hetzen lassen.

Nach wenigen Minuten und 2 Zigaretten kam auch schon der IC der uns nach Marburg brachte.
Basti bekam schon fast Heimatgefühle als er die Durchsage "Näxt stopp Friedbörg" hörte...Lukas ebenso, da wir uns immer näher an seine Heimat herantasteten.

In Marburg angekommen trafen wir, wie vorher verabredet, auf Amelie, eine langjährige gute Freundin, die uns dann die Wohnungsschlüssel der Wohnung von Lukas' Bruder gab und uns auch dort hinbrachte.

Dort hielt es uns aber nicht allzu lange, denn Marburg lockte mit seiner unvergleichlichen Schönheit und den, im wahrsten Sinne des Wortes, atemberaubenden Treppen in der Oberstadt. Selbst Basti, der alle Städte mit Friedberg (Bayern!) vergleicht, musste zugeben, dass die Friedberger Altstadt im Vergleich zur Marburger Oberstadt nur ein Schattendasein führt.

Nach schweisstreibenden Besteigungen der Marburger Oberstadt und der Spiegelslust kehrten wir schließlich in Vorfreude auf eine warme Dusche in unsere vorübergehende Bleibe ein, nur umn fest zu stellen, dass die Zentralheizung, die auch das Wasser erwärmt, nicht funktioniert, und wir wie Anno dazumal unser Wasser erst selbst erhitzen mussten, um zumindest die notwendige Grundwäsche durch zu führen.

Am nächsten Tag ging es nach Raumland, einem Dorf im Gemeindegebiet einer der größten Städte Deutschlands. In gespannter Erwartung auf die Begrüßung durch Lukas' Hund Snoopy stiegen wir aus dem Auto aus. Den Grzesiakschen' Geschichten nach zu Urteilen war Snoopy bisher völlig fremden Personen eher aggressiv begegnet. Zu Lukas' Verwunderung verbiss sich Snoopy nicht in Bastis Bein, sondern sprang an ihm hoch, begrüßte ihn genauso wie sein Herrchen und schleckte ihm sogar das Gesicht ab, als es in Reichweite seiner Schnauze kam.

Nach einer kurzen SKF (Stadt-Kontroll-Fahrt), einem Spaziergang auf dem Rothaarsteig und einem Besuch eines türkischen Spezialitätenrestaurants (Döner mit Burgersoße!) ging es auch wieder nach Hause wo wir uns jeweils eine Flasche polnisches Bier genehmigten.

Am nächsten Morgen hieß es früh aufstehen denn es stand eine Fahrt nach Siegen und Köln an.
Das Gute an Siegen....nichts. Das Gute an Köln so einiges...inklusive der 509 Stufen auf die Aussichtsplattform des Domes und der kostenlosen Proben am Schokoladenbrunnen des Schokoladenmuseums. Und sogar die missglückte Exkursion zum Ostasiatischen Kunstmuseum (das wegen Umbauarbeiten geschlossen war) hatte auch noch etwas Gutes: beim Anblick der kölner Universität waren wir wieder einmal froh in München zu studieren. Lukas hatte seinen Spaß auf der Autobahn, auf der er sich wieder mal austoben konnte.

Danach waren wir wieder in Bad Berleburg um unsere Begleitung des Tages (Claudia) heim zu bringen.
Lust das Auto wieder ab zu stellen hatte Lukas noch nicht, also ging es auf nach Winterberg, wo wir einen kurzen Blick auf die Rennbobbahn werfen konnten, und im "Gasthaus zum goldenen M" Speis und Trank zu uns nehmen durften.

Am heutigen Tage ging es eher ruhig zu. Ausschlafen, gut duschen, frühstücken.
Mittags fuhren wir nach Berleburg um eine Runde durch den Schlosspark zu gehen, und um das Heim der Fürstenfamilie von Wittgenstein äusserlich zu betrachten. Die Schlossstraße herab an mit Schieferplatten beschlagenen Häusern vorbei gingen wir wieder zu unserem Fahrzeug und feierten mit Freunden und Nachbarn den Geburtstag von Lukas' Mutter. Nach einem ausgiebigen Mahl wurden wir wieder nach Marburg chauffiert, von wo aus wir Morgen nach Giessen fahren um dort unseren Bus nach Polen zu nehmen.

Im nächsten Post: Bericht einer Busfahrt die sehr entspannend und stressfrei verlief....oder auch nicht.

Dienstag, 21. Juli 2009

Polska piękna Polska

Polska piękna polska...
Polen, das wunderschöne Polen..

...wollen wir auf unserer Reise von Krakau nach Tschenstochau erleben.

Wir, das sind Lukas und Sebastian. Zwei Studenten der Japanologie an einer gewissen Elite-Universität in München.

Unsere Reise beginnt am 1.8.2009 mit der Busfahrt von Giessen nach Krakau und endet wenn wir keinen Bock mehr haben, kein Geld mehr oder wenn uns Alles geklaut wird (was so ziemlich den ersten beiden Abbruchgründen entspricht).

Jaja, schon wieder diese Klischees über unsere Nachbarn im Osten.
Wenn man aber den Polen glauben schenken darf, befindet sich ein Auto, dass in Deutschland nahe der Grenze...ähhm...geborgt wurde schon lange auf dem Weg nach Russland.
Denn wie jeder Pole weiß sind die Russen an allem Schuld.
Wenn man in der Geschichte zurück blickt ist es nunmal auch des öfteren so.....hin und wieder warens ja auch die Franzosen oder die Deutschen...

Diese bewegte Geschichte ist Grund genug in das östlichste Land Mitteleuropas zu reisen....wobei man ohne Dolmetscher (hier Lukas) in ländlichen Gebieten ziemlich aufgeschmissen ist. Denn viele polnische Staatsangehörige können so viele Fremdsprachen, wie beispielsweise.....ähm...naja...sogar die Amerikaner können zumindest ein wenig Englisch.

Unsere Gründe sind allerdings eher sportlich-kulinarischer Natur, wobei unsere Abenteuerlust auch eine nicht unwesentliche Rolle bei unserem Vorhaben spielt.

Sportlicher Natur ist es deshalb, da wir uns nicht einer Gruppe Touristen über 65 jähriger Rentner anschließen, die gerne mal in ihre alte preußische Heimat fahren wollen, sondern planen uns hauptsächlich "per pedes" auf hoffentlich gut ausgebauten Wanderwegen bewegen werden.

Kulinarischer Natur ist es, da die doch ziemlich fremde polnische Küche uns einige Schmankerl bereit hält. Lukas schwärmt von Makówka, Bigos, Golabki, Omas selbstgemachten Pierogi und Rouladen, sowie die unvergleichlich herzhaft wohlschmeckenden polnischen Würste, deren Fettanteil mit Sicherheit nicht der niedrigste ist. Womöglich hält die polnische "Küche" auch ein paar schmackhafte Lungenbrötchen für uns parat (Bestellungen dafür werden mit Freude angenommen).

Abenteuerlust versteht sich durch die nicht allzu gut ausgebauten Fremdsprachenkenntnisse der polnischen Landbevölkerung von selber. Aber mit Sicherheit wird man mit einem freundlichen aber doch nicht allzu flüssigen "Dzien Dobry" mit einem Lächeln empfangen.



Die Reiseroute

Im Norden Krakaus beginnend führt uns der Szlak Orlich Gniazd in Richtung Norden, wo wir auf den Ojcowski Nationalpark stoßen werden, in dem Zerklüftete Felsen und Höhlen erwarten die unsere Herzen in die Höhe springen lassen werden.
Wir werden uns wohl kaum halten können, keine dieser Höhlen und Felsen zu erkunden.

Dem Weg weiter folgend werden wir unvermeidbar an alten, teils zerfallenen Burg- und Schlossruinen vorbeikommen an denen wir vermutlich, allein um sie Alle auf Fotos festzuhalten, viel Zeit verlieren werden.
Auf ungefähr der Hälfte des Weges werden wir bei Lukas Verwandschaft die ein oder andere Nacht verbringen dürfen, um dort unsere Kraftreserven wieder aufzufüllen und vor allem um dort mal wieder ausgiebigst der Körperhygiene zu frönen. Eine Dusche oder ein schönes Vollbad wird unseren geschundenen Körpern sicher gut tun.
Irgendwann werden wir denn auch den Zielpunkt der Adlerhorstroute in Tschenstochau erreichen. Nachdem wir dort (Wallfahrtsort) vielen gläubigen Katholiken bei der Verehrung der weltberühmten schwarzen Madonna zugeschaut haben geht es nach..hmmm..mal schauen. Wir haben schließlich ein Open Ticket für die Rückfahrt.


Im nächsten Post: Reisevorbereitungen, Ausrüstung und Tickets...